Die unfreiwillige Feuerwehr von Sylt - 50 Männer werden dienstverpflichtet
Von Timo Jann
List auf Sylt - Seit 1921 hatten die Männer in List auf Sylt sich stets freiwillig gemeldet, um den Nachbarn und Touristen in der Not, bei Bränden und Unfällen zu helfen. Aber jetzt sind nur noch 18 statt der gesetzlich geforderten mindestens 43 Mann in der Freiwilligen Feuerwehr des 2600-Einwohner-Ortes aktiv. Der Brandschutz in Deutschlands nördlichster Gemeinde mit vielen reetgedeckten Häusern ist nicht mehr gesichert. Bürgermeister Joachim Schweitzer zieht die Konsequenzen: Er will am Mittwoch 50 Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren zum Dienst verpflichten. Ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Pflichtfeuerwehren hatte es zuletzt im Zweiten Weltkrieg gegeben.
"Mir bleibt als oberster Dienstherr der Feuerwehr nichts anderes übrig", sagt Schweitzer. Wegen interner Querelen sei es in den vergangenen Jahren zu einem massiven Mitgliederschwund unter den Brandschützern im Norden der Urlaubsinsel gekommen. "Der Brandschutz hier im Ort war durch die verbliebenen Kameraden nicht mehr gewährleistet", sagt der Bürgermeister.
Das Gesetz sieht neben einer ausreichenden Anzahl an Helfern auch eine Qualifikation für die Führungsmannschaft vor. Auch die ist in List nicht mehr gegeben. Der stellvertretende Wehrführer war nach einem von ihm verursachten Unfall 2004 zurückgetreten. Der Wehrführer folgte aus nicht näher benannten persönlichen Gründen.
Die Kreisverwaltung in Husum hat die Notbremse gezogen und die Anerkennung der Resttruppe als Feuerwehr zurückgezogen. "Die Kameraden brauchen jetzt eine Perspektive, wo es für sie künftig langgeht", meint Christian Albertsen, der Kreisbrandmeister im Kreis Nordfriesland.
Vorübergehend müssen jetzt die dienstfähigen Männer aus List anrücken, wenn es im Ort brennt oder Hilfe benötigt wird. "Wir haben keine ahnungslosen Männer für die Aufgaben im Auge, sondern eine Mannschaft, der viele ehemalige Feuerwehrmänner angehören", berichtet Schweitzer. Einheimische und Urlauber müßten sich keineswegs um ihre Sicherheit sorgen, verspricht er. Die Pflichtfeuerwehr soll auf unbestimmte Zeit bestehenbleiben, bis neue Strukturen für eine wirklich freiwillig einsatzbereite Feuerwehr funktionieren, sagt Schweitzer.
Fünf Einsatzwagen stehen den Männern der Lister Pflichtfeuerwehr zur Verfügung. "Ausgestattet ist unsere Feuerwehr gut, sogar eine gebraucht gekaufte Drehleiter gibt es", sagt der Bürgermeister.
Auch Kreisbrandmeister Albertsen glaubt an eine gute Zukunft für den Brandschutz in List. Er hofft: "Erst mal muß Ruhe einkehren. Dann sind sicher auch wieder Kameraden zur Mitarbeit bereit, die wegen der Streitereien ausgetreten waren." (dpa) - erschienen am 21. März 2005
Hier ist die Homepage unserer Kameraden von List --> http://www.feuerwehr-list.de
Doch auch drei Jahre später in 2008 wurde dieses Thema von der FAZ wieder aufgenommen.
Keine Besserung in Sicht ?
http://www.faz.net/s/Rub5925252BCC9C45B880812B358AC3FFA4/Doc~EDB469DC957...
Wie halten es unsere Nachbarin - hier die Schweiz - mit der Freiwilligkeit ??
"Für fast alle Kantone gilt; Schweizer Bürger haben die Pflicht an ihrem Wohnort Feuerwehrdienst zu leisten. Die meisten bezahlen aber lieber die Ersatzabgabe in Form von Feuerwehrsteuern.
Alle die das Pflichtalter (meist 18) erreichen, werden von der Steuergemeinde angeschrieben mit dem Hinweis sich für das eine (Feuerwehrdienst) oder das andere (Steuer) zu entscheiden." (www.feuerwehr-schweiz.ch)
Doch oftmals werden Feuerwehrleute in der Schweiz doppelt belohnt:
Es soll auch Kantone geben, die ihren aktiven Feuerwehrleuten Sold für Dienste und Einsätze zahlen.
Zudem zahlen Feuerwehrleute die Feuerwehrsteuer nicht.